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Erfahrungsbericht “Kommunizieren in Gemeinschaft” in Bad Belzig

Sprechen und Hören im KreisLetztes Wochenende begleiteten Ina Welpmann und ich ein Community Building-Seminar im ZEGG, Bad Belzig. Tobias hat uns freundlicherweise seinen Erfahrungsbericht zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

 

Als – in der Gemeinschaftsbildung sehr erfahrene Person – ist das für mich ein Ort, an dem persönliche Heilung stattfinden kann. Stefan und Ina haben den Ort bereitet und Heilung fand für mich tatsächlich statt. Jedes Mal ist es ein neues Abenteuer, ein aufregende Reise, ein anstrengender Ritt durch ein unbekanntes, fremdes Land. Ganz besonders dankbar bin ich für das weitestgehende heraushalten der Begleiter und möglichen Dogmen aus dem Prozess, so dass sich alles frei entwickeln konnte. Nicht nur das keine eigenen Dogmen eingebracht wurden, sondern auch die Dogmen von mir als Teilnehmer, die ich auf meinem bisherigen Lernweg aufgebaut habe, sind mir klar geworden. Wir Teilnehmer sind uns alle auf Augenhöhe begegnet. Man kann nicht sagen: Der eine hat es schon sehr oft gemacht, nachdem richten sich alle: Nein. Die Begegnung findet immer wieder von Moment zu Moment statt und immer jeder teilt wichtige Erkenntnisse und Erfahrungen mit in teilweise schwierigen Auseinandersetzungen. Die Erfahrung des normalen Lebens ist für mich, daß Menschen nicht zuhören, daß ein tiefer Austausch nicht wirklich stattfindet. Menschen bleiben in Ihren eigenen Vorstellungen und Vorurteilen und dann auch in den Verhaltensweisen der Vermeidung(Bekämpfen, Rückzug,…) einer tatsächlichen Verständigung fern. Die Gemeinschaftsbildung habe ich auch an diesem Wochenende wieder als einen Ort der Hoffnung erlebt, an dem Menschen aufgerufen sind, sich den unangenehmen und schmerzhaften Wahrheiten und Gefühlen zu stellen, diese Schwierigkeiten zu durchleben ohne sie direkt verändern zu wollen und einander dabei liebevoll zu begleiten; denn nichts kann gedeihen in einer Atmosphäre des Hasses und der Angst. Diesen Raum voll Liebe und Respekt haben Ina und Stefan mit dem wenigen, was für mich als Teilnehmer sichtbar war, gestaltet und die Gruppe hat sich auf Ihrem Weg in Respekt und Achtsamkeit entwickelt. Besonders im Vergleich zu anderen Kursen der Gemeinschaftsbildung war für mich die pure, auf das Wesentliche reduzierte Art der Begleitung: Kein Schnickschnack, nur das Notwendige. Der Anfang fängt mit einer Vorstellung der Begleiter an, dann werden die Empfehlungen vorgelesen und ausgelegt und ohne weitere Erklärungen fängt der Prozess an. Ein Verständnis der Empfehlungen zu entwickeln ist Aufgabe der Teilnehmer im Prozess. Ebenso wird das Ende schlicht mit “Die Zeit ist jetzt vorbei, der Workshop ist jetzt zu Ende abgeschlossen. Konkret: Liebevoller Raum: Die Empfehlungen von Scott Peck wurden leicht angepasst um den wertschätzenden Umgang zu unterstützen. Dogmenfreiheit: Die Empfehlungen wurden nicht erklärt. Es wurde den Teilnehmern überlassen herauszufinden, wie sie anzuwenden sind. Respekt: Es wurde eine persönliche Bitte von der Begleitung formuliert, bei der leichte Bedenken geäußert wurden. Es wurde noch nicht einmal nachgehakt, um die Bitte vielleicht doch erfüllt zu bekommen, sondern es wurde sofort und komplett akzeptiert. Achtsamkeit: Natürlich wurde auch bzgl. des Verteilens von Kontaktinformationen nach der Veranstaltung darauf geachtet, die Wünsche der Teilnehmer zu erfragen und daß die privaten Daten jeder Person privat bleiben. Unterstützung: Bei auftretenden störenden Geräuschkulissen wurden im Hintergrund Lösungen erarbeitet und umgesetzt.

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Fünf Jahre Beriah Gemeinschaftsbildung

Stefan Groß-Leisner und Johanna GroßBeriah Gemeinschaftsbildung ist 2020 fünf geworden. Das freut uns sehr! Community Building ist für uns fester Bestandteil unseres Leben geblieben. Wir begleiten vor allem intentionale Gemeinschaften. Dazu kommen ein bis zwei offene Seminare im Jahr, die Stefan mit Ina Welpmann im ZEGG bei Bad Belzig oder in Sieben Linden begleitet.

Was ist neu?

Ich, Stefan, habe mich für einen beruflichen Schwerpunkt in der Jugendhilfe der Johannesstift Diakonie entschieden. Dort bin ich Projektmanager und entwickle/ koordiniere Module, die Grundschüler_innen aus “Brennpunktschulen” mit außerschulischen Bildungserlebnissen unterstützen. Johanna hat dieses Jahr mit einer Osteopathie-Ausbildung begonnen. Aufregend!

Auch und noch viel aufregender war unsere Heirat im Oktober diesen Jahres. Zwischen den Corona – Lockdowns nutzten wir die Zeit und entschieden uns vor unserer Familie, Freund*innen, Genoss*innen für einander. Noch einmal neu entschieden, nicht einfach aber richtig gut. Das Neu-Entscheiden für die Verbindung zu meiner Liebsten erscheint mir wie das immer wieder neu beginnende Ringen um die stets flüchtige Gemeinschaft. Es bleibt dabei: wenn ich Liebe und Verbindung suche, dann muss ich mich immer wieder neu dafür entscheiden.

Angekommen in Gemeinschaft

Wir leben jetzt gemeinsam in Götz, zusammen mit unseren vier Kindern, unseren Kommunard*innen und innerhalb der neu gegründeten Genossenschaft “Gemeinschaftlich Wohnen in Götz eG”. Vier intensive (Arbeits-)Jahre liegen zurück. Wir haben Menschen gefunden, eine Vision, ein Konzept, eine Finanzierung. Wir haben gekauft, gebaut und sind jetzt alle am Platz. Das ist ein großer Gewinn für unser Leben. Langsam strecken wir unsere Fühler auch  in das Dorf und die Umgebung aus.

Community Building nutzen wir alle zwei Wochen für drei Stunden in einem Teil unserer Genossenschaft, als Kommunard*innen und zu zweit. Weiter geht’s! Auf die nächsten fünf Jahre!

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Erfahrungsbericht “CB-WE-Seminar” aus Potsdam

Community Building Empfehlungen im KreisIm Herbst 2020 nahm Thomas aus Potsdam an unserem Community Building Wochenendseminar im ZEGG teil. Hier schreibt er rückblickend zu seinem Erleben. Vielen Dank Thomas, dass wir deinen Beitrag hier veröffentlichen dürfen!

Das eindrücklichste und stimmigste Erlebnis beim Wir-Raum Potsdam war für mich der CB-Taster. Wir probierten für einen Abend Community Building nach Scott Peck aus, so wie wir schon Forum und Circling ausprobiert hatten. Im Gegensatz zu letzteren Methoden, die bei mir eher ambivalente Gefühle und Assoziationen auslösten, fühlte ich mich vom CB gleich angesprochen und eingeladen. Ich fühlte mich auf wohltuend energetisierende Art und Weise innerlich bewegt und spürte auch deutlich, wie sich in der Gruppe etwas bewegte und die einzelnen Menschen ganz unterschiedlich damit umgingen. Endlich wurde es wesentlicher und ging mehr in die Tiefe. Endlich spürte ich etwas wie eine Verbundenheit mit und in der Gruppe, wie ein Gemeinschaftsgefühl.

Im Sommer las ich „Gemeinschaftsbildung“ und danach „Eine neue Ethik“ und fand gleich den ersten Satz super: „Die Rettung der Welt liegt in Gemeinschaft und um sie herum.“ Das sprach mir aus dem Herzen und erinnerte mich an die Maazsche Beziehungskultur. Auch schon der Abend im Wir-Raum hatte Erinnerungen an Halle geweckt. Nur schien Scott Pecks Setting noch einfacher und unkomplizierter zu sein und seine Sichtweise umfassender und einschließlicher. Das wollte ich unbedingt ausprobieren. Die Ankündigung des Workshops hatte ich gleich nach dem Urlaub gefunden, den Termin aber danach erst einmal wieder verdrängt. Das Angebot eines CB-Workshops in Sieben Linden erinnerte mich wieder an mein Vorhaben, aber ich musste mich echt überwinden, um mich anzumelden – und war mir auch danach absolut nicht sicher, ob ich nach Belzig fahren oder doch lieber wieder absagen würde. Selbst als ich in Belzig an der Bushaltestelle drei andere Teilnehmer*innen sich über den Workshop unterhalten hörte, fühlte ich mich noch nicht ganz wohl bei dem Gedanken an die zwei Tage und zwei Nächte in Gemeinschaft und verspürte durchaus noch Rückzugsimpulse. Erst die Ausstrahlung der Frau an der Rezeption versöhnte mich mit meinem Vorhaben. Und der so wohltuend entspannte Umgang mit Corona im ZEGG und die so lange entbehrte körperliche Nähe am Esstisch nach sieben Monaten Corona-Abstinenz waren einfach schön – wie Nach-Hause-Kommen.

Freitagabend – Pseudo-Gemeinschaft: Ich sitze mit neun Frauen und zwei Männern im Kreis, um den Gemeinschaftsbildungsprozess zu erleben. Ich fühle mich wohl. Dass so viele sympathische Frauen in der Gruppe sind und zudem auch jüngere, ist besonders schön – ich traue mich aber (noch) nicht, das deutlich auszusprechen, sage es aber immerhin durch die Blume. Die meisten Teilnehmer*innen sind Wessis. Nur Andrea, Sabine, Christel (und Ina) kommen aus dem Osten: aus Dresden, Stralsund, Lehnin, Leipzig. „Warum kommt ihr von so weit weg“, frage ich gleich auf dem Zimmer und später auch in der Gruppe. „So etwas gibt es nur im Osten – hier sind die Menschen irgendwie anders“, ist immer wieder die Antwort. Schau’n wir mal, wie Gruppenbildung mit drei Vierteln Wessis und drei Vierteln zweite Lebenshälfte funktioniert. – „Sprich, wenn du bewegt bist.“ Ich hatte heute Urlaub genommen, um mich einzustimmen, und fühlte mich den ganzen Tag über innerlich aufgewühlt und ruhelos. Bei der Anreise war ich dann so vom Äußeren okkupiert, daß ich meine Gefühle vergaß. Erst jetzt spüre ich meine Bewegtheit allmählich wieder – und meine Bewegtheit nimmt zu (wie damals beim Taster im Wir-Raum). Ich spüre mich, nehme die Gruppe wahr, registriere die ersten Vermeidungsversuche. Und ich bleibe trotz der vielen fremden Menschen bei mir und fühle mich an diesem Ort und in dieser Gruppe ausgesprochen wohl.

Samstagvormittag – Chaos: Gleich von mehreren Seiten: „Man versteht dich nicht. Du redest so unklar, so nebulös. Drück dich klarer aus.“ Und: „Du redest zu viel. Lass andere auch zu Wort kommen.“ Stimmt. Ablenkungsmanöver. Vermeidungsstrategie. Ich tue so, als wagte ich mich mutig aus der Deckung, gehe aber kein übermäßiges Risiko ein, wage nicht wirklich, mich zu zeigen. Leistungsdruck: Die Zeit rennt, bald Halbzeit – und es scheint nicht wirklich voranzugehen mit unserem CB-Prozess.

Mittags Krise: Vielleicht habe ich mich ja doch übernommen mit diesem Workshop? Die anderen wirken so gemeinschaftserfahren und sozial, sitzen vor der Dorfkneipe in der Sonne und trinken miteinander Kaffee, während ich wie ein einsamer Wolf durchs Gelände streune.

Samstagnachmittag – Leere: Ich halte mich zurück, bin emotional abwesend – viele andere auch: Schweigen. Wer sich vorwagt auf diesem Feld ohne Regeln, kann auch Fehler machen. Mache ich Fehler – oder bin ich einfach nur daneben? Ein verlegenes Lied. Eine etwas gewollte Massagekette. Ich mache nicht mit (zwei andere auch nicht) – falsch? Ziehe mich raus wie auch sonst oft. Ist mir alles keine wirkliche Gemeinschaft – oberflächlich, unbefriedigend. Bringe mich allerdings auch nicht ein, riskiere nichts, sitze im Abseits auf dem hohen Ross, einsam, mitunter vielleicht arrogant erscheinend. – Ich entspanne mich langsam: Das Gras wächst – ich kann es nicht beschleunigen. Der Fluss fließt – nichts blockieren. Wachsen lassen, fließen lassen, reifen lassen. Emotional anwesend sein. Samstagabend – Gezerre: Ich bin wieder in der Gruppe anwesend, fühle mich bewegt, spreche von mir und meiner momentanen Erfahrung. Einige andere auch. Herzensöffnung ist das Thema und mein Bedürfnis, wird aber immer wieder abgewürgt: mit kopfigen Statements, mit ollen Kamellen, mit vorgeschobenen Erörterungen zu Gemeinschaftsgröße und Gemeinschaftsstrukturen. Schmerzhaftes und kräftezehrendes Blockieren, vergeudete Chance – schade. Es tut mir echt weh, wie immer wieder blockiert wird, wie ich immer wieder hinter meine Deckung gejagt werde/flüchte und mich kaum traue, wieder hervorzukommen, mich wieder zu öffnen. Frustrierender Stillstand. Keine Mehrheit für Herzensöffnung. Ich bin enttäuscht und traurig. Die Energie bis morgen früh halten.

Sonntagvormittag – authentische Gemeinschaft: Balsam von Ina: „Wir haben noch den ganzen Sonntagvormittag“. Der Damm bricht: Der Schmerz über gestern Abend öffnet dem Schmerz über Einsamkeit und ungelebtes Leben das Tor. Tränen fließen: Tränen des Schmerzes („Ich fühle mich einsam.“) und Tränen der Sehnsucht nach Leben („Ich bin so ungeübt.“) „Jetzt sprichst du ganz klar und verständlich“, sagen Anita und Arna. Auch andere sprechen klar und offen und bewegt: Birgitt, Annika, Yves, Claudia, Anja, Christiane. Und manche blockieren noch. Ich empfinde Frauen als authentischer als Männer – Annika geht es umgekehrt. Partielle Herzensöffnung. Wir wollen uns öffnen, wir wollen unsere Gefühle befreien – und suchen uns paarweise Unterstützung, um das, was wir in unseren gemeinsamen Stunden an Verbundenheit und Offenheit erreicht haben, für die Entladung der auf diesem Weg aktivierten Emotionen zu nutzen und für Erfahrungen, die im Alltag nicht so leicht möglich sind: „Darf ich dir näher kommen und dir in die Augen schauen?“ „Ja.“ Ich habe so lange keinem Menschen mehr nah und tief und lange in die Augen geschaut. Und Corona hat mir so viele warme, weiche, herzliche Umarmungen geraubt. – Ist das legitim? Auf Kosten der Gemeinschaftsbildung? Eine perfekte authentische Gemeinschaft werden wir wahrscheinlich heute nicht – zu geringe Gruppenwärme. Wir haben zu wenig Wärme in die Gruppe gegeben. Aber auch wenn ein wenig Pseudo bleiben wird, haben wir doch ein wunderschönes Stück Gemeinschaft geschaffen. Und das will ich zum Abschluss genießen, so gut ich kann. Ja, es gibt noch lose Enden, aber die Verbundenheit überwiegt deutlich. Und ich habe viel zu lange auf solche Verbundenheit verzichtet. „Wollen wir uns (trotz Corona) an den Händen fassen, um unsere Verbundenheit auch körperlich zu spüren?“ (Und um die verbleibenden losen Enden wenigstens körperlich zu verknüpfen?) „Ja.“ Wir lassen unsere Herzenergien als goldene Kugeln im Kreis wandern und spüren, wie sie sich und uns zu einem goldenen Ring verbinden – und wie sich goldene Sphären nach oben und nach unten wölben und eine große goldene Gruppenkugel formen. Und wir singen „Jani Joni Jachuene“. Und dann kommt der Abschied. Und der Abschiedsschmerz. So intensiv. Lange Umarmungen. Letzte Augenkontakte. Und Herzensworte als Abschiedsgeschenke: „Trau dich, Thomas!“ – Ich bin erfüllt von Freude und von Schmerz.

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CircleWayFilm und Erfahrungsbericht von Heiko Schleinitz

In Cottbus habe ich Heiko Schleinitz bei einem CB Seminar kennen gelernt. Dort hat er mir von seinem spannenden Vorhaben erzählt, einen zweisprachigen crowdfunding-basierten Film über Kreiskultur zu drehen. Und soweit ich es sehen kann, haben sie bereits einen weiten Weg zurück gelegt bei diesem Vorhaben! Herzlichen Glückwunsch! Mehr Informationen dazu: http://circlewayfilm.com/de/home/

Abschließend möchte ich auf den Community Building Erfahrungsbericht von ihm verweisen:

http://circlewayfilm.com/de/weworld-entdeckt-community-building/

 

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Erfahrungsbericht des Leitungsteams der HU-MA Pflege GmbH

Im September 2017 begleiteten Brigitte Höper und ich das Leitungsteam der HU-MA Pflege GmbH mit einem Community Building Seminar über drei Tage.

Ich freue mich, ihren Erfahrungsbericht hier zitieren zu dürfen:

Als Team, das gut strukturiert und kommunikativ miteinander arbeitet, machten wir uns auf die Reise. Unser Wunsch bestand darin, zukünftig noch besser miteinander kommunizieren, unsere Potentiale zu sehen, zu entfalten und uns als Gemeinschaft zu stärken.
Zu diesem Zeitpunkt wussten wir nicht, dass wir noch keine authentische Gemeinschaft waren. Unter „Community Building“ konnte sich auch niemand wirklich etwas vorstellen. Zwischen neugieriger Spannung und Vorbehalten wagten wir uns in ein unbekanntes Abenteuer.
Und dann saßen wir da mit einem Regelwerk an Empfehlungen, die unseren persönlichen Prozess umrahmten. Wir warteten auf den Startschuss, um eine uns erteilte Aufgabe zu erfüllen, so wie wir es gewohnt waren. Aber wir waren bereits mittendrin – mittendrin im Prozess, der sich auf das Hier und Jetzt konzentriert. Der tiefe Gefühle und Gedanken freisetzt, Raum schafft für intensives Zuwenden. „Er hat in mir selbst etwas ausgelöst. Jeder Einzelne ist auch nochmal in sich gegangen, hat sich selbst entwickeln können.“ (R.)
Hierarchische Grenzen und emotionale Blockaden verschwanden, wie es in keiner Kaffeepause möglich ist. „Das hat für mich wirklich funktioniert: eine Gemeinschaft zu bilden. Indem wir auch viel von uns preisgaben und man dadurch den Anderen besser kennengelernt hat, mit seinen Schwächen, Ängsten und Gefühlen.“ (J.)
Achtsam und tiefblickend lernten wir uns neu kennen. „Man sieht sich bei der Arbeit und kennt zwar ein paar Eckdaten aus dem Privatleben, aber nichts aus dem tiefsten Inneren. Ich finde das bringt einen wirklich näher.“ (J.) Wie wir miteinander umgehen und kommunizieren, unsere eigenen Belange oder Ängste vortragen, was uns selbst und die anderen im Arbeitsalltag stark macht, nehmen wir als Erkenntnis mit. „Ich habe das Gefühl, dass wir alle ein unsichtbares Band in der Hand haben, das wir alle festhalten, dass wir weiterarbeiten müssen, damit keiner das Band loslässt und wir niemanden aus der Gruppe verlieren (…) – und darauf freue ich mich.“ (D.)
Ein buntes Band halten wir da, weil jeder Einzelne in der Gruppe besonders ist und wir mit diesen Besonderheiten, wenn sie Platz haben viel gemeinsam erreichen können. „Ich weiß für mich, dass es eine Methode ist mit der man etwas erreichen kann. (…) den Weg damit weiter zu gehen, ist für mich gut.“ (K.) „Dieser Prozess und wir sind erst am Anfang. Es geht noch weiter.“ (R.)
Wir sind auf dem Weg eine authentische Gemeinschaft zu werden – ein gutes, warmes Gefühl.

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Impuls: Flüchtige Gemeinschaft

20151017_125913Meiner Meinung nach ist Gemeinschaft ein umkämpfter Begriff und wird an Tausend Stellen genutzt, beschworen, instrumentalisiert und missbraucht. Er schillert und ich kann es gut nachvollziehen. Denn auch ich habe in dieser flüchtigen hochkomplexen Moderne ein starkes Bedürfnis nach Aufgehoben sein, nach Begrenztheit und Wärme. In dem Moment, wo aus einer (Langzeit-)Gruppe sprachlich eine Gemeinschaft wird, droht sich jedoch ein Bild zu verfestigen: das Bild einer ständigen Gemeinschaft. Das ist meiner Meinung nach nicht einzuholen und zum Scheitern verurteilt. Wie mir scheint, ist Gemeinschaft flüchtig – nur in bestimmten Situationen für den Einzelnen und die Gruppe fühlbar. In Arbeitseinsätzen, auf Parties und beim gemeinsamen Essen, in Notsituationen oder in einem Raum der emotionalen Tiefe. Und danach – schwindet die Verbindung, das tiefe Verbundensein wieder. Und wenn dann der Einzelne und die Gruppe nicht die Gruppenseele pflegt/pflegen, also soziale Räume öffnet, dann vergeht sie.

Ich habe gute Erfahrung mit jenen Räumen gemacht, die (durch Formen von Kreiskultur) strukturiert waren. Community Building, Council, Radikale Therapie aber auch DragonDreaming und Restorative Circles. Für unterschiedliche Zwecke gibt es schon einen Riesen Haufen von emanzipatorischen Werkzeugen, die mir und meinen Gruppen halfen, Vertrauen zu gewinnen und nächste Schritte allein und gemeinsam zu gehen.

Herzliche Grüße und eine lebendige Zeit!
Stefan Leisner

PS:  Für die philosophisch Interessierten meine derzeitigen Lieblingsbücher zum Thema Gemeinschaft.

  • Einführend: Rosa, Hartmut / Gertenbach, Lars  / Laux, Henning u.a.: Theorien der Gemeinschaft zur Einführung. Hamburg 2010.
  • Klassisch und hochaktuell: Plessner, Helmuth: Grenzen der Gemeinschaft. Frankfurt am Main 2002.
  • Impuls aus ital.-frz. Diskurs mit religiös-messianischem Gehalt: Agamben, Giorgio: Die kommende Gemeinschaft. Berlin 2003
  • Verständlich: Bauman, Zygmunt: Gemeinschaften. Auf der Suche nach Sicherheit in einer bedrohlichen Welt. Frankfurt am Main 2009
  • Übersicht bringend: Bauman, Zygmunt: Flüchtige Moderne. Frankfurt am Main 2003
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Mehrgenerationen – Gemeinschaftsbildung und Council im Eschwege Institut

Gerade einmal 15:33 und draußen dunkelt es. In einer halben Stunde wird die Sonne untergegangen sein. Die Zeit vergeht wie im Flug, die letzten Blätter hinter meinem Bürofenster fallen und ich möchte diese Gelegenheit nutzten, auf zwei Beriah-Erlebnisse zurück zu blicken.

Community Building mit mehreren Generationen

VIMG_0651or knapp vier Wochen begleitete ich mit Susanne Gierens aus Jahnishausen ein dreitägiges CB-Seminar eines Mehrgenerationenprojekts in Sachsen. Mich berührte das Aufeinandertreffen ganz unterschiedlicher Lebensrealitäten, -alter und -erfahrungen und ich konnte viele berührende Momente und Aha’s für mich und meine Kommune-Gruppe mitnehmen.

So habe ich noch einmal gesehen und gelernt, wie wichtig es ist, der Selbstoffenbarung Zeit zu geben. Nach dem Spruche: “Das Gras wächst nicht schneller, wenn mensch daran zieht.” Und gleichzeitig war so deutlich, wie wichtig das Chaos, das Ziehen und Fordern für eine Gruppe sein kann. Wie wichtig die Rolle der Jungen und Ungestümen sowie der Bewahrer_innen in einer Gruppensituation sind. Als wären es unterschiedliche Anteile eines gemeinsamen Gruppentieres.

Und dann entstehen Situationen, in denen Klarheit über die eigene Gruppensituation aufblitzt. Durch das Sichtbarwerden eines ausgeblendeten, sehr wichtigen Details oder das Aussprechen einer unbequemen Wahrheit. Dann gibt es an mehreren Stellen ein Seufzen, ein Entspannen. Das Gruppentier hat geatmet.

IMG_0712Zu erforschen, wo eine Gruppe steht und was sie für die nächsten Schritte braucht, finde ich sehr spannend. Und es ist immer wieder beeindruckend für mich, wie viel Beziehung und Information bereits in der verbalen und nonverbalen Gruppenkommunikation sichtbar ist, wenn mensch frei dahin schauen kann. Das ist für Gruppenmitglieder freilich sehr schwer, sind sie ja die tragenden Stützen des Bestehenden und haben meist alle Hände voll zu tun.
Und daher sind die Situationen, in denen neue Menschen zur einer bestehenden Gruppe dazu stoßen, so aufregend und oft mit Herausforderungen beladen. Mir klingt noch Susannes Beitrag im Ohr, in dem sie zur Erforschung des Neuen einlud. Wie könnte eine Gruppe aufgestellt und in Beziehung sein, die wirklich offen ist für das Neue? Denn wenn neue Menschen oder Neues im Allgemeinen nachhaltig dazu kommen soll, braucht es meiner Meinung nach nicht nur eine Anpassung des Hinzukommenden sondern eine Anpassung des Gesamtsystems.

Und wieder hatte ich Freude über CB, denn es zeigte sich deutlich, dass der oft mühsame und selbst erlittene (!) Prozess die Chance der nachhaltigen Erkenntnis dieser Wichtigkeit unterschiedlicher Rollen für den Gruppenprozess birgt. Auch wenn es für die_den Einzelne_n in der konkreten Auseinandersetzung schwierig oder schmerzhaft ist: die eigene Erfahrung ist zumeist der beste Lehrmeister.

Council im Eschwege Institut

Council Redegegenstände

Gestaltete Mitte mit unterschiedlichen Redegegenständen.

Die selbst erlittene Erfahrung lag auch im Focus einer Weiterbildung im Eschwege Institut, die Johanna und ich im Oktober absolvierten. Council nutzt die Kraft persönlicher Geschichten, die auf selbst erlittener Erfahrung basieren. Vier Tage saßen wir mit Gesa Heiten und weiteren Menschen im Kreis und wiederentdeckten eine uralte Form der Kreiskultur. In einer Jurte teilten wir unsere Geschichten und lernten Runden mit Hilfe unterschiedlicher Council-Formaten zu begleiten. Council kann mit “Zu Rate sitzen” übersetzt werden. Es geht darum, auf Augenhöhe im Kreis zu sitzen und nacheinander den Geschichten der Menschen aufmerksam zuzuhören. Zuhören und sinken lassen. Dazu helfen ein Redegegenstand, ein klarer Anfang sowie ein klares Ende, eine formulierte Frage sowie 4 Empfehlungen:

  1. Höre von Herzen
  2. Sprich von Herzen
  3. Sei spontan
  4. Sei wesentlich

Dieser übersichtliche, klar strukturierte Rahmen schaffte viel Sicherheit und ermöglichte sehr berührende Momente. Council erscheint uns niedrigschwellig und ideal für die Begleitung von Lebensübergängen. Wir haben große Lust, Council noch stärker in unsere Prozessbegleitung und Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu integrieren.

Zu Council kann ich einführend dieses Buch empfehlen: Der große Rat.

 

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BEcome Love und Netzwerktreffen NCB

BEcomelovefestivalDer Herbst drängt die Blätter von den Bäumen und ich will zwei Beriah – Stationen der letzten Monate erinnern.

BEcome Love Festival

Im September waren Johanna und ich beim BEcome Love Festival 2015 in Berlin. Dort wurde die Kraft und Bedeutung der Liebe zu erleben versucht und diskutiert. Interessant für mich der Versuch der Verflechtung der zwei Ebenen Gemeinschaft und Gesellschaft. Ich stehe jenen Versuchen, allein mit Liebe oder Gemeinschaft Welt zu erklären oder zu verbessern, kritisch gegenüber. Zu einfach erscheint mir dies, bereits bei Scott Pecks Ansätzen, gesellschaftliche Probleme über Community Building oder dessen Haltung verändern zu wollen.

Und dennoch finde ich es sehr mutig, jene Kluft zwischen Privatem und Öffentlichem, zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft neu zu denken und (philosophisch) zu erforschen. Ein Freund Johannas, Dr. phil. Maik Hosang, ist Mitorganisator und hat uns eingeladen, einen CB-Workshop beim BEcome Love Festival anzubieten.

Er sagt:

„In meiner Habilitation, die ich um 1999 schrieb, erforschte ich, wie die menschliche Natur in Form uns angeborener Primäremotionen und die Kultur in Form von gesellschaftlichen Strukturen und Symbolen zusammenwirken. Dabei wurde mir deutlich, dass neben Angst, Macht etc. vor allem Liebe eine entscheidende biokulturelle Dimension menschlich-gesellschaftlicher Selbstorganisation ist. Und es zeigte sich dabei auch, dass eine ökologischere Zukunft der sich sonst tendenziell selbst zerstörenden Menschheit vor allem davon abhängen wird, ob eine neue Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft gelingt, in der die Liebe mehr als alle anderen unserer Emotionen kultiviert und entfaltet wird. Daher liegt es mir am Herzen, dafür etwas zu tun.“

 

Spannend, oder?

Ohne Antworten auf die obigen Fragen aber mit interessanten Impulsen und einem berührenden CB-Taster beschenkt, ging ich vom Festival. Anselm Grün und Gerald Hüther verpasste ich, doch einige interessante Menschen habe ich gehört und kennen gelernt. Andreas Weber sprach über das Pendeln zwischen Isolation und Symbiose und den Schmerz der Lebendigkeit. Prof. Dr. Eckehard Binas referierte über den Zusammenhang von Eigentum und Liebe, beginnend im Mittelater bis zum heutigen Spätkapitalismus. Eike Schwarz  aus Potsdam sprach über die Inititation und Liebesfähigkeit von Jugendlichen, Dolores Richter vom ZEGG war ebenfalls vertreten und diskutierte über intentionale Gemeinschaften und die gesellschaftliche Kraft der Liebe.

2. Netzwerktreffen Community Building in Europa 2015

Das Netzwerk - dieses Jahr in kleiner Runde.

Das Netzwerk – dieses Jahr in kleiner Runde.

Im September waren Johanna und ich beim Netzwerktreffen Community Building in Europa in Jahnishausen. Nach drei Tagen CB-Prozess tauschten wir uns über CB-Begleitungsfragen aus und erforschten CB-Kombinations- und Erweiterungsmöglichkeiten. Das nächste Netzwerktreffen findet vom 16-18 September 2016 statt! Unsere Internetseite ist nun aktualisiert und eine Karte von CB-Begleiter_innen und CB-Gruppen ist online.

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Was CB ermöglichen kann… Taster-Erfahrungsbericht

Gestern habe ich mit 10 Menschen einen sehr nährenden, beeindruckenden Taster-CB-Workshop im SEKIZ Potsdam erlebt. Die heterogene Gruppe näherte sich innerhalb des 3 Stunden Prozesses an, durchlief das Chaos und kostete nach meiner Wahrnahme am Ende ein Gefühl von Leere und authentischer Gemeinschaft.

Johanna und ich begleiteten sehr zurückhaltend und intervenierten bis auf 2 Ausnahmen ausschließlich nach der Pause. Dies ließ viel Raum für die Gruppe und ihren Prozess.
Die 10 Menschen schienen den Raum zwischen ihnen langsam zu erkunden und zu vermessen. Was ist das eigentlich hier? Was kann ich, was können wir tun und wagen? Warum bin ich hier? Und was steht zwischen mir und den Anderen? Was steht zwischen mir und der Gemeinschaft?
Jede_r ringte mit Problemen und Mustern, ob in sich gespürt oder in den anderen projeziert. In der Gruppe lernten die Teilnehmer_innen Schritt für Schritt, einander zuzuhören und zu spüren, wenn etwas Bedeutsames ausgedrückt wurde.

Es hat mich wieder einmal beeindruckt, wie CB Experimentierraum und Reflektionsraum zugleich ist und wie gesetzesgleich sich der Prozess mit sowenig Rahmen und Führung entspinnt. Jona beschrieb am Ende des Prozesses das Gefühl wie folgt: “Wenn ich denk, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.”

Ich feiere diesen Taster, weil er mir zeigte, was möglich ist. Das stärkt mein Vertrauen in den Prozess, in mich und den Menschen.

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Focus: Gruppenbegleitung

Das erste Quartal 2015 liegt hinter uns. Was ist passiert?

Wir haben unseren Focus gesetzt.

Unser Hauptanliegen ist es jetzt, Gruppen, die gemeinsam arbeiten, wohnen oder leben, zu begleiten. Wir bieten weiterhin Community Building nach Scott Peck an, wollen nach und nach unser Werkzeugkoffer erweitern und neue Formate und Ansätze ausprobieren.

Der Focuswandel betrifft auch die offenen Seminare. Wir halten CB-Seminare für sinnvoll für die persönliche Entwicklung, wollen jedoch unser Augenmerk auf bestehende oder sich gründende Gruppen legen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen. Daher nehmen wir die offenen Seminare mit festen Terminen aus unserem Angebot heraus. Wir bieten jedoch die Möglichkeit an, dass sich Menschen vormerken lassen. Sobald genügend Teilnehmer_innen zusammen kommen, machen wir einen Terminvorschlag für ein Seminar.

Woran arbeiten wir gerade?

Wenn wir nicht Gruppen mit CB begleiten, beschäftigt sich Stefan im Moment praktisch und theoretisch mit Kreiskultur im Kontext der Jugend- und Erwachsenenbildung. Johanna arbeitet daran, ein Labor für Innovationen im Bildungsbereich aufzubauen.