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Echte Gemeinschaft nährt..

Am letzten Wochenende begleiteten Ina Welpmann und ich eine offene Gruppe in Leipzig.  Dort versuchen Menschen, etwas neues in die Welt zu bringen: https://empowerment.community/. Sie fragten uns ob wir unterstützen könnten. Ja – sehr gern – wir kommen vorbei! Der Prozess am letzten Wochenende war sehr berührend und wirkt in mir nach.

Gemeinsam das Netz halten

Gemeinschaft im KreisEin Bild hat sich mir eingeprägt: eine Gruppe von Menschen im Kreis. Jede*r hält mit seinen Händen ein Netz, einem Fischernetz gleich. Das Netz ist unsichtbar aber einige können es spüren oder erahnen. Spricht ein Kreismitglied in die Runde hinein, legt er*sie seinen Beitrag und damit auch sich in die Mitte. Nun ist der Beginn des Gemeinschaftsbildungsprozesses oft ein Austesten des gemeinsam gehaltenen Netzes: trägt es, hält es mich? Vorsichtig wagen sich die Menschen nach und nach mit schwereren, tieferen  Beiträgen in die Mitte. Manchmal ist die Gruppe noch nicht präsent genug, einige Teilnehmer*innen haben das Netz vielleicht lose oder los gelassen – dann fällt ein*e Mutige*r. Das ist oft schmerzhaft. Und es kann auch diese Verletzung, dieser Fall, wieder neu berühren.  Über die Dauer des Community Building Prozesses steigt die Präsens in der Gruppe, oft in Wellenform, und es gibt Momente, wo das Netz gut gehalten, gut gespannt ist. Es ist die Kraft der Teilnehmer*innen selbst, die das Netz stabil macht. Und mit jeder Selbstoffenbarung kann das Vertrauen in die Gruppe wachsen. Dann können intensive Berührungen geteilt werden: sehr schwere Verletzungen und Wunden, die hoch kommen; ehrliches Eigen- und Fremderleben; spontane Einsichten über sich selbst, Gott und die Welt. Dass größte Gefühle,  schwerste Beiträge, heftigste Schicksale ausgedrückt und gehalten werden können, erzeugt große Entlastung und weiten Frieden. Das sind ganz feine, sensible, wunderschöne Momente.

Und dann – mal langsam, mal schnell – geht es weiter. Vielleicht war es für einige Teilnehmer*innen zu viel und sie lockern das Netz. Oder die Gruppe ermüdet nach so viel Seelenberührung und geht in wieder in Annäherungs- oder Chaosphase. Ina stellte mir nach dem Prozess eine Frage, die ich richtig kitzelig spannend finde:

Was ist eigentlich das Anstrengende an einem langen Gemeinschaftsbildungsprozesstag? Ist es das tiefe Zeigen, das hohe Risiko, dass ich in einem Prozess eingehe? Oder ist es das lange Halten, bevor ich mich eben traue, ins Unbekannte zu springen?

Echte Gemeinschaft nährt…

Zurück aus Leipzig fand ich durch Anregung einer Teilnehmerin einen Beitrag aus der Oya zu Community Building, den ich gern teilen möchte: https://lesen.oya-online.de/texte/3432-echte-gemeinschaft-naehrt.html 

Sehr lesenswerte finde ich! Und schließen möchte ich mit der Vision von Scott Peck:

“There is a yearning in the heart for peace. Because of the wounds and rejections we have received in past relationships, we are frightened by the risks. In our fear, we discount the dream of authentic Community as merely visionary. But there are rules by which people can come back together, by which the old wounds can be healed. The purpose of Community Building is to teach these rules — to make hope real again — and to make the vision actually manifest in a world which has almost forgotten the glory of what it means to be human.”